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„Bazillus“ Solidarność: Solidarität mit Polen

 

„Konterrevolution“ in Polen

Logo Robotnicy'80 | Quelle: ABL Mit der Legalisierung von Solidarność im September 1980 befürchtet die SED ein Übergreifen der Bewegung auf die DDR. Es beginnt eine antipolnische Kampagne der SED unter Ausnutzung der Ressentiments in der Bevölkerung. "Zum Schutz der Interessen der Bürger der DDR" wird am 30.10.1980 die Grenze auch nach Osten geschlossen. Legitimiert wird dieser Schritt u.a. mit dem polnischen Konsumtourismus: "Diese massenhaften Warenabkäufe, zum Teil verbunden mit Schieber- und Spekulationsgeschäften, haben ein nicht vertretbares Ausmaß erreicht und stoßen bei den Bürgern der DDR zunehmend auf Ablehnung", so der Ministerrat der DDR.

1981 LERNT POLNISCH | Quelle:  Robert-Havemann-Gesellschaft Während seiner Bausoldatenzeit fertigt Thomas Kretschmer aus Erfurt dieses auf NVA-Laken gebatikte Tuch an. Als Neujahrsgruß 1981/82 verschickt er das Motiv an verschiedene Freunde. Kurz nach der Verkündung des Kriegsrechts wird er im Januar 1982 verhaftet und zu 4 Jahren und 4 Monaten verurteilt. Davon muss er 3 Jahre und 9 Monate absitzen.

Das ganze Jahr 1981 werden parteitreue Delegationen nach Polen entsendet, um sich ein Bild über die Akzeptanz der Solidarność in der Gesellschaft zu machen. Die SED-Genossen sind überrascht, dass selbst polnische Parteikreise von notwendigen Veränderungen sprechen und vor einem Einmarsch der Armeen des "Warschauer Vertrages" warnen. Dieser würde demnach zum Bürgerkrieg führen. Der SED-Kampfbegriff "Konterrevolution" kennzeichnet nun die Situation für das Nachbarland.

Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Stereotype und antipolnischen Ressentiments

Unter diesen Umständen nutzt die SED die Stereotypen, die das Polen-Bild in der Bevölkerung prägen. Sie kolportiert den Eindruck: "Die Polen streiken, weil sie nicht arbeiten wollen." Damit entsteht eine gefährliche Allianz zwischen Macht und Dummheit.

Quelle: ABL

Quelle: ABL

Der Besitz von Materialien der Solidarność wird verfolgt und bestraft. Sympathie- und Solidaritätsäußerungen sollen im Zusammenwirken von Staat, den Betrieben, den Schulen und der Staatssicherheit schon im Vorfeld aufgedeckt werden.

 

Polnisches Informations- und Kulturzentrum Leipzig

PDF Download: Informationsbedarf der Staatssicherheit. Bild: subjug/iStockphoto Das "Polnische Kultur- und Informationszentrum" in Leipzig unterliegt einer sehr genauen Kontrolle durch die Staatssicherheit. In der Institution sieht man einen Anlaufpunkt für Sympathisanten der Solidarność.



Das Interesse der Stasi ist nicht unbegründet, denn die Besucherzahlen steigen rapide. Vor allem Jugendliche und Akademiker sind auf der Suche nach Informationen. Als Einrichtung des polnischen Generalkonsulats verhält sich das "Polnische Kultur- und Informationszentrum" den Machthabern gegenüber aber loyal.

Quelle: BStU

Reaktionen auf den Kriegszustand

Quelle: Europejskie Centrum Solidarności, Gdansk

Graffiti

Graffitis

Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Roland Jahn: Es wurde verhaftet, wenn das Maß voll war. Roland Jahn: "Es wurde verhaftet, wenn das Maß voll war."
(Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Bundeszentrale für politische Bildung)

Lebenslauf Roland Jahn

 

Solidarität von „oben“ und „unten“

Quelle: Bundesarchiv

Diese Leistungen sind keineswegs uneigennützig. Staatlich unabhängige Solidaritätsaktionen und private Kontakte werden nach wie vor streng kontrolliert und reglementiert. So gibt es genaue Vorschriften, was man als Privatperson nach Polen schicken darf.

PDF Download: Postsendungen nach Polen. Bild: subjug/iStockphoto Diese Informationen sind jedoch, nur über die Kirche zu bekommen.



Paketschein für eine private Sendung nach Polen, Quelle: ABL

Reisen nach Polen sind nach der Grenzschließung nur noch über die staatlichen Reisebüros (Jugendtourist) möglich. Für individuelle Reisen ist eine polnische Einladung notwendig, um eine Ausreise genehmigt zu bekommen.

Quelle: ABL

Karim Saab: Aus dieser Perspektive konnte ich die DDR kaum verstehen. Karim Saab: "Aus dieser Perspektive konnte ich die DDR kaum verstehen."
Saab findet andere Wege nach Polen und schwärmt von der dortigen Atmosphäre.
Lebenslauf Karim Saab

 

Lebensläufe:

  • geb. 1961 in Heidelberg
  • Übersiedlung der Mutter nach Radebeul 1965/66
  • 1977 Buchhändlerlehre in Leipzig
  • Musikedition Peters für 13 Monate
  • Museum für Völkerkunde
  • Theologiestudium in Naumburg
  • Anfang der 1980er Gründung der Initiativgruppe "Hoffnung Nicaragua"
  • Totalverweigerung des Militärdienstes
  • Herausgeber des Samisdat "Anschlag"
  • Mai 1989 Ausreise in die Bundesrepublik
  • Seit 1992 Journalist
  • geb. 1953 in Jena
  • seit 1974 engagiert er sich in oppositionellen Gruppen in Jena
  • 1977 wird er vom Studium der Wirtschaftswissenschaften exmatrikuliert
  • Als am 12. April 1981 sein Freund Matthias Domaschk in der Stasi-Untersuchungshaft aus ungeklärten Umständen stirbt, macht er dessen Tod mittels der West-Medien öffentlich.
  • Nach verschiedenen Postkartenaktionen und seiner demonstrativen Sympathie für die polnische Solidarność-Bewegung wird er 1982 verhaftet.
  • Internationale Proteste führen nach fünf Monaten Untersuchungshaft zur Entlassung von ihm und weiteren Oppositionellen.
  • 1983 wird er nach weiteren öffentlichkeitswirksamen Aktionen in die Bundesrepublik gegen seinen Willen abgeschoben.
  • Als freier Journalist arbeitet er für TV, Tageszeitungen, Radio Glasnost. Er ist die Stimme der DDR-Opposition im Westen und agiert als Kontaktperson.
  • 2010 erhält er die Dankbarkeitsmedaille der Solidarność
  • 2011 wird er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU).