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„Diese Erfahrung hat mich bestätigt“: Der Kampf um einen Sozialen Friedensdienst


Der Konflikt zwischen Militarisierung und Pflegenotstand

Christoph Wonneberger, Quelle: ABL/M. Jehnichen Die Zeit Ende der 1970er Jahre ist von einer Abschreckungsstrategie der beiden Machtblöcke im Globalen und massiven Unterdrückungsmechanismen in der DDR geprägt. Diese Gemengelage aus globalem Wettrüsten und der Verherrlichung der Nationalen Volksarmee (NVA), der Kriminalisierung von Wehrdienstverweigerern und dem Pflegenotstand in der DDR lässt dem Dresdner Pfarrer Christoph Wonneberger keine Ruhe. Seit 1970 ist er ständiger Polen-Reisender. Die dort erlebten Protestformen bestätigen seine Ansichten, den gesellschaftlichen Spannungen konstruktive Alternativen entgegenzusetzen.

Fibel 1. Klasse, Quelle: ABL
Fibel 1. Klasse, Quelle: ABL
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Altersheim in Leipzig, 1987 Quelle: ABL

Der „faule“ Kompromiss Bausoldat

Schulterstück Bausoldaten, Quelle: ABL

Seit Einführung der Wehrpflicht 1962 wird Wehrdienstverweigerung in der DDR strafrechtlich verfolgt. Einzige Alternative bildet seit 1964 der Wehrdienst ohne Waffe, der Dienst als Bausoldaten („Spatensoldat“). Dieser stellt jedoch für viele Jugendliche einen faulen Kompromiss dar, denn die Bausoldaten bleiben der Militärdoktrin unterworfen und müssen ihr dienen.

 


Helmut Nitzsche Helmut Nitzsche
„Ich hatte keine Lust mich da total anzustrengen“: Helmut Nitzsche spricht über seine Gewissenskonflikte als Bausoldat.

Lebenslauf Helmut Nitzschke

 

SoFd – Sozialer Friedensdienst

LogoDiesen Konflikt erlebt Wonneberger in seiner täglichen Arbeit in der Dresdner Weinbergsgemeinde.

Seine Erlebnisse in Polen helfen ihm bei der Entwicklung eines neuen deeskalierenden Ansatzes der Konfliktregulierung. 1980/81 entwickelt Wonneberger das Konzept des „Sozialen Friedensdienstes“ (SoFd) als Alternative zum Wehrdienst.

 

Sozialer Friedensdienst Christoph Wonneberger
"Diese Erfahrung hat mich bestätigt.": Gewaltfreiheit als gesellschaftspolitische Handlungsform.

Lebenslauf Christoph Wonneberger

 

Aufruf zum Sozialen Friedensdienst | Download als PDF. Bild: subjug/iStockphoto Antwort auf den Aufruf zum Sozialen Friedensdienst | Download als PDF. Bild: subjug/iStockphoto

Nachdem die Synode den Dresdner Antrag nicht unterstützte, verbreitet die Gruppe ihr Initiativpapier per Kettenbrief innerhalb der evangelischen Jugendarbeit. Dem Aufruf, Eingaben an die Synode für einen „Sozialen Friedensdienst“ zu richten, folgen 5.000 Menschen.
Diese Dynamik wird vom Staat sofort als Bedrohung begriffen und zu einer Umsetzung kommt es bis zum Ende der DDR nicht. „SoFd“ bleibt dadurch ein wichtiges Symbol des Widerstandes.

Nein Danke! Quelle: ABL

Lebensläufe:

  • geb. 1940 in Leipzig
  • 1954 – 1956 Lehre als Fernmeldemonteur
  • 1966-1968 Bausoldat – er gehörte damit zum 2. Durchgang. 3 Monate Haft wegen Befehlsverweigerung
  • Seit 1970/71 Bausoldatentreffen, Gründung der Arbeitsgruppe „Friedensdienst“, Organisation von Friedensseminaren
  • geb. 1944 in Wiesa (Kr. Annaberg)
  • 1960 - 1963 Ausbildung zum Maschinenschlosser
  • 1963 – 1965 Sprachstudium am Theologischen Seminar in Leipzig, anschl.bis 1970 Theologiestudium in Rostock
  • Vikar in Dresden
  • 1974 Gemeindepfarrer in Taucha (b. Leipzig)
  • 1977 – 1984 Pfarrer der Dresdner Weinbergsgemeinde
  • 1985 Pfarrer in der Lukas-Gemeinde in Leipzig
  • 1986 Gründung der Oppositionsgruppe „ Arbeitsgruppe Menschenrechte“ (AGM) – schwere Konflikte mit staatlichen und kirchlichen Stellen
  • Sept. / Okt. 1989 Verantwortung für die Friedensgebete in der Nikolaikirche und Mitorganisator der anschl. Demonstrationen
  • Ende Oktober 1989 Schlaganfall
  • Seit 1991 Ruhestand